Ein günstigerer Mängelmelder - ungenutzte Chancen und Potentiale

Nachdem in einer Mannheimer Lokalzeitung darüber berichtet wurde, dass der Mängelmelder Mannheim abgeschaltet werden soll, haben wir uns die Situation genauer angeschaut und eine Open Source Lösung gefunden, die uns nachhaltig beeindruckt hat.

Mark-A-Spot Interface auf einem Mobiltelefon. Oben eine Heatmap Ansicht auf einer Mannheim-Karte. Darunter zwei Beispielmeldungen: #54-2025 Dachschäden und #53-2025 Radwegschäden.
Wir haben Mark-A-Spot testweise aufgesetzt und so schaut das dann für Mannheim aus.

Funktionalität: Wozu überhaupt ein Mängelmelder?

Im Mängelmelder Mannheim, der aktuell noch unter https://mannheim.mängelmelder.de erreichbar ist, können Anliegen wie Schäden an Infrastruktur, wilder Sperrmüll, beschädigte oder verschmutzte Radwege und vieles mehr gemeldet werden. Nachdem Kategorie und Ort gewählt wurden, kann mit kurzer Beschreibung und idealerweise einem Bild eine Meldung erstellt werden. Nach Freischaltung erscheint diese auf einer Übersichtskarte. Es wird transparent kommuniziert, an welchen Fachbereich die Meldung weitergeleitet wurde und was der aktuelle Bearbeitungsstatus ist. Sicher läuft dort nicht alles perfekt, aber in einer Stadt, die sonst große Probleme mit Transparenz hat, ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Da jeder Fall eine eindeutige ID in der Browser-Adresse hat, ist eine Referenzierbarkeit für Bürger und Verwaltung jederzeit gewährleistet.

Aktuelle Kosten

V380/2025 Eigenbetrieb Stadtraumservice - Leistungsreduktionen und Konsolidierungsmaßnahmen zur Einhaltung
des Betriebskostenzuschusses ab 2026 enthält folgende Information:

Der EB 76 stellt die Abnahme des Mängelmelders und der damit verbundenen Leistungen im CRM ein. Stattdessen wird die Kommunikation über die städtische Hotline 115 effizient gesteuert und gebündelt. Die Einstellung des Mängelmelders kann zu unzufriedenen Bürger*innen führen, die ihre Bedürfnisse und Kommunikationsgewohnheiten nur allmählich anpassen oder andere Kommunikationskanäle suchen. Einspareffekt jährlich: ca. 50 T€. [1]

Die Kosteninformation ist interessant. Die jährlichen Kosten für das Expert-Paket der Wer Denkt Was GmbH aus Darmstadt, die den Mängelmelder entwickelt, sind mit 6.000 € angegeben. [2] Es gibt zubuchbare Optionen von denen Mannheim mindestens zwei nutzt. Ob damit die verbleibenden Kosten von 44.000 Euro erklärbar sind, sei dahingestellt. Bisher hat die Verwaltung keine detaillierte Kostenaufschlüsselung vorgestellt.

Mannheim: Smart-City und Barrierefreiheit

Mannheim beansprucht für sich Smart-City zu sein. [3] Auf der Webseite steht u.a.

Die Stadt verpflichtet sich zur Transparenz und veröffentlicht ihre Daten als Open Data. [4]

Sich nun ohne Not selbst Steine in den Weg zu legen, indem man zeitgemäße, skalierende, transparente und barrierearme Lösungen abschafft und primär auf nicht barrierefreie und ineffiziente Telefonkontakte ohne Möglichkeit einer Medienübermittlung umstellt, ist schlicht nicht vermittelbar.

Überraschend: Meldungen verschwinden nach einer gewissen Zeit und werden damit der Öffentlichkeit entzogen. Eine Suchfunktion für ältere Meldungen existiert nicht. Unter den Gesichtspunkten von Open Data und Transparenz wirkt dies im Jahr 2026 wie aus der Zeit gefallen und entspricht nicht den Idealen, die Mannheim als Werte für sich beansprucht.

Warum nicht Open Source und kostensparsam?

Die deutsche Verwaltung tut sich traditionell schwer damit, eigene Kompetenzen aufzubauen und in der Folge nachhaltige, resiliente und unabhängige Lösungen umzusetzen - obwohl diese in der Folge fast immer Kosten sparen. Ein aktuelles Beispiel ist die Migration des Bundeslandes Schleswig-Holstein auf Open-Source-Software. Obwohl die Umstellung noch läuft, zahlt das Land bereits jetzt 15 Millionen Euro weniger an Lizenzkosten. [5]

Andernorts werden solche Ansätze leider nicht konsequent zu Ende gedacht. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern kostet die Kommunen erheblich Geld. Die Referenzliste der Wer Denkt Was GmbH [6], die den proprietären Mängelmelder entwickelt, listet 116 Kommunen und Projekte auf, welche das Produkt einsetzen. Hier kommt über die Jahre ein beträchtliches finanzielles Volumen zusammen.

Als Gesellschaft sollten wir uns die Frage stellen: Wollen wir weiterhin in proprietäre Lösungen investieren, bei denen nach der Nutzung kein nachhaltiger Mehrwert verbleibt und im Gegenteil eine Herstellerabhängigkeit entsteht, die zukünftige Entscheidungen einschränkt? Oder wäre es sinnvoller, öffentliche Mittel so einzusetzen, dass ein dauerhafter Wert geschaffen wird - in Form von Software, die von vielen gleichermaßen genutzt werden kann und dank einer Open-Source-Lizenz sogar den eigenständigen Betrieb ermöglicht?

Mögliche Lösungen: Mark-A-Spot oder Klarschiff

Tatsächlich existieren bereits Open-Source Lösungen, die diese Anforderungen erfüllen. Mark-A-Spot wurde vor wenigen Tagen in den "EU Open Source Solutions Catalogue" aufgenommen [7], einen offiziellen EU-Katalog, welcher offene Softwarelösungen im Verwaltungskontext auflistet. Der Kernentwickler von Mark-A-Spot, Holger Kreis, beschreibt das Ziel des Projekts in einem Blogbeitrag wie folgt:

Ziel ist es, die Wiederverwendung von Software zwischen Verwaltungen zu fördern und Doppelentwicklungen zu vermeiden. [8]

Zu den Projektpartnern von Mark-A-Spot zählen unter anderem die Städte München [9], Köln, Bonn [10], Duisburg, die Süddeutsche Zeitung, Krefeld sowie die Weltbank. Ein Vergleich der Auftritte von München und Bonn verdeutlicht, wie flexibel die Software einsetzbar ist, und wie groß der Gestaltungsspielraum für die jeweilige Kommune bleibt.

Mit Klarschiff [11] steht zudem eine weitere Open-Source-Lösung zur Verfügung, die unter anderem mit EU-Födermitteln entwickelt wurde und seit über zehn Jahren erfolgreich in Rostock [12] im Produktiveinsatz ist.

Digitalstadt Mannheim - public money, public code

Warum sich Mannheim als vermeintliche Digitalstadt so schwer damit tut, nachhaltige digitale Lösungen umzusetzen, ist schwer nachvollziehbar. Es drängt sich der Eindruck auf, dass häufig die falschen Berater gehört werden und es an tiefgehendem Verständnis der Materie mangelt. Möglicherweise stellen jedoch gerade die aktuellen Rahmenbedingungen eines angespannten Haushalts und der damit verbundene Sparzwang eine Chance dar, die Weichen endlich sinnvoll zu stellen.

Statt öffentliche Gelder in proprietäre Lösungen zu lenken, bei denen sie versickern, ohne dass am Ende auch nur eine Zeile Quellcode der Allgemeinheit zugutekommt, sollten Projekte gefördert werden, die skalieren, nachhaltig wirken und der Gesellschaft insgesamt nutzen. Ideal wäre eine Umsetzung auf Landesebene, an die Kommunen je nach Bedarf angebunden werden können. Entscheidend ist auch, eine verlässliche finanzielle Ausstattung, um eine langfristige Weiterentwicklung abzusichern.

Gerade als Digitalstadt sollte Mannheim das Konzept Public Money - Public Code [13] entschlossen leben.

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[1] https://buergerinfo.mannheim.de/buergerinfo/getfile.asp?id=8229128&type=do
[2] https://mängelmelderpro.de/preise
[3] https://mannheim-gemeinsam-gestalten.de/smart-city
[4] https://smart-city-dialog.de/ueber-uns/modellprojekte-smart-cities/mannheim
[5] https://heise.de/news/Adieu-Microsoft-Schleswig-Holstein-setzt-auf-Open-Source-und-spart-Millionen-11105389.html
[6] https://werdenktwas.de/referenzen/maengelmelder
[7] https://interoperable-europe.ec.europa.eu/eu-oss-catalogue/solutions/mark-spot
[8] https://markaspot.de/blog/mark-a-spot-eu-oss-catalogue
[9] https://machmuenchenbesser.de
[10] https://anliegen.bonn.de/
[11] https://github.com/bfpi/klarschiff-backoffice
[12] https://klarschiff-hro.de/client/
[13] https://publiccode.eu/de