Falschparken in Mannheim - billiger als das Parkhaus oder wie bekommen wir einen nutzungspflichtigen Radweg frei von Kfz?

Falschparken in Mannheim - billiger als das Parkhaus? Die Rechnung ist einfach: 10 x parken im Parkhaus vs 10 x Falschparken bei schlechter Ahndungsquote. Offenbar kommen viele Menschen in Mannheim zum Schluss, dass die zweite Variante günstiger ist.

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Falschparken in Mannheim - billiger als das Parkhaus oder wie bekommen wir einen nutzungspflichtigen Radweg frei von Kfz?
Falschparker auf dem Radweg vor dem Parkhaus N 2, Mannheim. Bildquelle: QEM

In der Kunststraße ist der zugeparkte Radweg unmittelbar vor dem N7 Parkhaus traurige Normalität. Leider schaffen es Polizei und Ordnungsamt nicht, dafür zu sorgen, dass der Radweg zuverlässig benutzbar ist. Genau solche Situationen sind es, warum wir immer wieder von Menschen hören, dass sie sich mit dem Fahrrad in Mannheim nicht wohlfühlen und daher lieber komplett auf das Radfahren verzichten. ein vernichtenderes Urteil kann es für eine selbst ernannte Fahrradstadt kaum geben.

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Nutzungspflichtiger Radweg N7 / O7 Kunststraße. Polizei und Ordnungsamt leider abwesend.

Doch warum werden überhaupt in Mannheim routinemäßig Radwege, Gehwege und Feuerwehrzufahrten beparkt? Die Antwort ist in einfacher Mathematik und Bequemlichkeit zu finden: was ist günstiger und gemütlicher als 30 Minuten kostenloses Parkhaus und im Anschluss eine geringe Gebühr? Ungeahndetes Falschparken.

Stadteigener Abschlepper - Gemeinderat sagt nein

Ob der desolate Status Quo in dieser Form politisch gewünscht ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist, der Gemeinderat Mannheim hat den Antrag A369/2024 Die Grünen / Die Partei "Errichtung eines stadteigenen Abschleppdienstes" [1] mehrheitlich abgelehnt. Dabei fiel vor allem die CDU, Vertreten durch Jürgen Dörr, auf, der vehement gegen den Antrag sprach. [2] In der weiteren Debatte gab es Konfusion, wie es sein kann, dass die Verwaltung finanziell bei Abschleppvorgängen gerade so auf Null rauskommt und wie sich die Kosten aus Bußgeld und Verwaltungsgebühren genau zusammensetzen.

Gebührenanpassung Straßenrandparken & 30 Minuten kostenlos im Parkhaus parken für Kfz

In Mannheim wurde Ende 2025 eine Änderung der Parkgebührenordnung beschlossen. Konkret beschlossen wurde Beschlussvorlage V649/2025 Konzept Parken in Parkobjekt und Satzung der Stadt Mannheim über Parkgebühren. [3]

Durch den Beschluss soll insgesamt die Erreichbarkeit der Einzelhandelsstandorte als auch die Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden. Dies geschieht dadurch, dass der Parksuchverkehr abnimmt und die Parkobjekte eine höhere Frequenz haben. Gleichzeitig sind schnelle Erledigungen durch ausreichende Parkobjekte (erste 30 Min kostenlos) als auch durch ausreichend Kurzzeitparkstände (15 Min – 1 Euro) sehr gut möglich.

In der Gemeinderatssitzung führt OB Christian Specht (CDU) aus:

Unser Ziel im Wesentlichen ist es, dass wir Menschen, die nach wie vor mit dem Auto zu uns in die Stadt auch kommen oder darauf angewiesen sind, dass wir denen das Parken und den Parksuchverkehr ersparen, indem wir ihnen attraktives Angebot machen, eben in unsere Parkhäuser der MPB zu fahren. Und deswegen haben wir hier ein sehr gutes Angebot. Zum ersten Mal 30 Minuten kostenlos parken in den Parkobjekten der MPB.
Wer dann noch länger parkt, eine Stunde, dann sind es nur 2 € in einem Parkhaus und gleichzeitig wollen wir das Straßenrand parken ... verteuern ... Das ist das Konzept, um eben tatsächlich Parksuchverkehre zu vermeiden, aber eben auch die Stadt hier von ... Fahrzeugen ... zu entlasten. [4]

Damit ist Parken in Parkhäusern deutlich günstiger als das Straßenrandparken. Dieser Weg ist der richtige. Die Idee: Parksuchverkehre werden vermieden, Parkhäuser direkt angefahren, abgestellte Kfz belasten nicht den öffentlichen Straßenraum. Das Tagesticket für Straßenrandparken in Zone 2 bleibt mit 8€ im Vergleich zu den Parkhäusern billiger. Dieser Umstand steht nicht nur im Widerspruch zu den formulierten Zielen, sondern könnte auch dazu führen, dass sich die Parksuchverkehre in die Zone 2 verlagern, wo das ganztägige Parken günstiger ist, als in den Parkhäusern. Als Folge werden die Anwohner-Parkplätze noch stärker als bisher von Nicht-Anwohnern beparkt. Ein Problem, dem sich der KOD (Kommunale Ordnungsdienst) bisher nur selten widmet. Die logische Konsequenz sind deutliche Einnahmenausfälle für die Stadt. Was insbesondere in Zeiten klammer Kassen kaum vermittelbar ist.

Solange Falschparken günstiger ist, wird sich wenig ändern

Leider gibt es ein großes "aber", welches erstaunlicherweise im Gemeinderat nicht zur Sprache kam: ohne Ahndung sind diese Konzepte und Überlegungen obsolet und hinfällig. In Mannheim gibt es Ausreden, welche mantra-artig bemüht werden, um bei der kritikwürdigen Ahndungsquote von Falschparkern Druck von der Verwaltung zu nehmen. Zum einen heißt es, dass es beim KOD zu wenig Personal gäbe. Schaut man auf die Stellenausschreibung der Stadt Mannheim, stellt man fest: offene Stellenausschreibungen für den KOD sind Stand 14.08.2026 keine vorhanden. [5] Wenn, wie behauptet trotz Ausschreibungen (was offenbar nicht der Fall ist) kein neues Personal gewonnen werden kann, sollte auch die Frage gestellt werden, ob die Bezahlung angemessen ist. Frankfurt am Main beispielsweise hat das Problem erkannt und bewarb Ende 2025 30 offene KOD Stellen öffentlichkeitswirksam mit eigener Webseite. [4]

Neben dem Hebel, überhaupt zu ahnden, ist der nächste Hebel, der in Deutschland ungenutzt bleibt, die Höhe der Bußgelder. Bußgelder von 10 € für "Par­ken we­niger als 5 Me­ter vor der Kreu­zung/Ein­mün­dung", "Par­ken auf ei­ner schma­len Fahr­bahn ge­gen­über ei­ner Grund­stücks­ein- bzw. -aus­fahrt", "Par­ken vor ei­ner Bord­stein­ab­sen­kung" (Liste erweiterbar), sind lächerlich. Dass eine abschreckende Wirkung ausbleibt ist erwartbar und offenbar so gewollt. Da diese bekannten Probleme in Deutschland von den Verantwortlichen vor allem ignoriert werden, muss auf Seiten des BMV (Bundesministerium für Verkehr) von Versagen ausgegangen werden. Es besteht dringender und überfälliger Handlungsbedarf.

Warum sich Deutschland so unglaublich schwer tut, die Falschparkerproblematik in den Griff zu bekommen, ist eigentlich nur durch Lobbyismus zu erklären.

Problem in anderen Ländern gelöst

Zum Vergleich: In den Niederlanden werden zum 01.01.2026 folgende Bußen bei Kfz-Verstößen fällig:

Handy in der Hand 440 Euro
Über rote Ampel fahren 320 Euro
Rechts überholen 320 Euro
Keine Vorfahrt gewähren 320 Euro
Behindertenparkplatz (reserviert) 500 Euro
Behindertenparkplatz (allgemein) 400 Euro
Allgemeines Falschparken 130 Euro
Kein Sicherheitsgurt 190 Euro
Innerorts 10 km/h zu schnell 95 Euro
Autobahn 10 km/h zu schnell 84 Euro

Außerdem wurde eine Kopplung der Bußgelder an die Inflation beschlossen. Die Niederländer machen auch klar, wer nicht zahlt, spürt Folgen: Beim ersten Mal erhöht sich der Betrag um 50 Prozent, beim zweiten Mal wird er verdoppelt.

Allgemeines Falschparken: 130 € - so einfach bekommt man Probleme deutlich reduziert. In Deutschland bieten wir hingegen 10€ Discount-Bußen an und machen Falschparken billiger als jedes Parkhaus, sofern überhaupt geahndet wird.

Die Erhöhung der Parkgebühren für das Straßenrandparken ist ein absolut wichtiger und richtiger Schritt. Ebenso ist es erfreulich, dass auch bei konservativen Kräften im Gemeinderat Mannheim sowie Handelsvertreter*innen die Erkenntnis durchdringt, dass das Ziel Kfz-Verkehre unmittelbar in Parkhäuser zu lotsen, übrigens eines der Kernziele des oft missverstandenen Verkehrsversuchs, erstrebenswert ist.

Am Ende leiden unter dem Kfz-Verkehr in der Innenstadt nicht nur Anwohnende und Besucher*innen, sondern zu allererst und vor allem die Autofahrenden selbst, die viel Lebenszeit und Nerven im Stau verlieren.

Zurück zur Kunststraße in Mannheim: Radweg durch bauliche Maßnahmen absichern

In der Kunststraße steht eine Asphaltsanierung auf Höhe der Quadrate N7 / O7 an. Dass diese überfällig und sinnvoll ist, steht außer Frage. Allerdings sollte die Verwaltung die Chance ergreifen und den Radweg durch Frankfurter Hüte baulich gegen Kfz-Verkehr absichern. Dass dies nötig ist belegen Artikelbild und - video. An Einfahrten wird die Trennung unterbrochen, beispielsweise am Parkhaus N7, doch auf weiten Teilen ist eine Einrichtung problemlos machbar. So würde für eine zuverlässige Nutzbarkeit zentraler Radinfrastruktur gesorgt. Immerhin ist die Kunststraße im Radnetzplan als Radvorrangroute hinterlegt.

Positivbeispiel Darmstadt: freie Radwege trotz Garagenzufahrten

In Darmstadt in der Neckarstraße gibt es eine identische Situation: ein Radweg der baulich geschützt ist mit Unterbrechung für eine Garageneinfahrt:

Gerade um die Ecke in der Rheinstraße in Darmstadt zeigt die Stadt, dass man Grenzen nicht nur durch Frankfurter Hüte markieren, sondern Gefährdungen durch Kfz-Fahrende konsequent verhindern kann. Auch hier bleiben Grundstückszufahrten problemlos zugänglich. Auch hier fällt auf: Kfz auf dem Radweg? Fehlanzeige.

Radweg durch Betonpoller abgesichert mit Pollerunterbrechung für Zufahrten.

Wir halten fest: es gibt Möglichkeiten, Radwege benutzbar zu halten, die Lösungen müssen eben umgesetzt werden. Dazu braucht es Haltung, Mut und politischen Willen.

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[1] https://buergerinfo.mannheim.de/buergerinfo/getfile.asp?id=8213537&type=do&#search=%22a369/2024%22
[2] https://youtu.be/5bjD1_-zpsg?si=UanDOtIBBhPW6U52&t=783
[3] https://buergerinfo.mannheim.de/buergerinfo/getfile.asp?id=8229020&type=do
[4] https://youtube.com/live/-qK7OPHHRMU?si=OpvuKqnl9Xwmpfqg&t=5264
[5] https://mannheim.de/de/karriere-machen/stellenangebote
[6] https://komm-in-unser-team.de/